Rückblick auf 5 Jahre KKK

Es ist ruhig geworden um die KKK, ohne dass wir aufgehört haben, uns politisch zu betätigen.

Die gesellschaftlich wahrnehmbare Wiederkehr der Krisen war für uns der Anker, überhaupt wieder eine Debatte über Gesellschaftspolitik zu führen. Die Krisendynamik schien uns ein Punkt zu sein, der die
Gleichgewichtstheorien delegitimierte, ein Denken über Kapitalismus anstieß und damit Kritik an der Welt, in der wir Menschen leben, überhaupt erst wieder denkbar machte.

Doch die Krise hat genau hierzu nicht geführt. Einerseits kann immer noch munter in der Gleichgewichtstheorie argumentiert werden, ohne dass sich die Referierenden einer Verärgerung aussetzen. Kapitalismus wird heutzutage als Wort deutlich häufiger verwendet, das Geschwurbel über Soziale Marktwirtschaft ist zurückgegangen.

Nur ärgerlicherweise führt die Wahrnehmung von Krisen eben nicht zu einer Infragestellung, sondern vielmehr zu einer Naturalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Im schlimmsten Falle wird eine Einrichtung in der zerfallenden Gesellschaft sogar als Leitbild angestrebt. Vergleiche hierzu die Debatte über Resilienz.

In die Krise geraten sind eben nicht nur ökonomische Konzepte, sondern grundlegende methodische Ansätze, die für eine kritische Praxis notwendig wären. Antiautoritäre Ansätze, die Herrschaft über Individuen ablehnen und einmal als “Freiheit” bezeichnet wurden, haben mittlerweile Seltenheitswert und sind bis hin ins autonome Spektrum zurückgedrängt.

Eine neue Freiheitsdebatte hat allerdings begonnen. Wir müssen darauf achten, dass diese herrschaftskritische Debatte nicht verkürzt geführt wird. Sicherlich ist es gut, wenn unter dem Motto “Freiheit statt Angst” einerseits eine Staatskritik oder zumindestens ein vorsichtigerer Umgang mit Bekenntnissen zum Staat einsetzt.
Herrschaftskritik heute ist aber mehr als liberal verstandene Freiheit.
Der Kapitalismus ist ein System indirekter Herrschaft, welches laufend auch ältere Herrschaftssysteme überformt. Dagegen wehren können sich nur autonome, zur Kritik befähigte Individuen, die sich organisieren können. Der Freiheitsbegriff der 90er, den auch die CDU übernehmen konnte, ist hingegen auf die Freiheit des bzw. der KonsumentIn verkürzt, kommt über die Sphäre des Konsums nicht zur Produktion und damit dem Ort, an dem Herrschaft primär stattfindet, hinaus.

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Religionskritik-Lektüre

zur Religionsdebatte lesen wir am 29. November:

Paul Lafargue: Die Religion des Kapitals (1887)

Die einzige Religion, die die Bedürfnisse unserer Zeit befriedigen kann, ist die Religion des Kapitals. Die anderen Religionen sind nichts weiter als Lippenbekenntnisse. Das Kapital ist Gott. Es kennt weder Heimatland noch Grenzen, weder Hautfarbe noch Geschlecht. Er greift sich die jungen, starken gesunden Menschen und verbrennt sie wie Kohle im Schmelzofen. Aber wie fürsorglich, zart und liebevoll ist er seinen Erwählten gegenüber!

online auf: http://raumgegenzement.blogsport.de/144/

 

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Antisemitismus-Grundlagentext

Beschluß Sommer 2012

Antisemitismus ist eine Form des Umgangs mit gesellschaftlichen Problemen.
Er stellt ein Massenphänomen in modernen Gesellschaften dar – in Deutschland nahm er eine eliminatorische Form an.

Antisemitismus wird nach allen gängigen Theorien innerhalb der Moderne selbst erzeugt – er ist kein Fortexistieren des Antijudaismus, sondern erscheint in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Rassenantisemitismus. Er entsteht mit Ausbildung der nationalen Identitäten. Das qualitativ Andere ist die Beschreibung der jüdischen Bevölkerung als eigene Rasse mit angeblich „semitischen“ Eigenschaften und Merkmalen. Dabei erscheint die „jüdische Rasse“ als Gegenrasse. Im Rahmen der Nationalstaatsbildung entstehen nationale Kollektive, zusammen mit Vorstellungen ethnischer Homogenität. Die nationalen Kollektive enstanden aber historisch unter den Bedingungen kapitalistischer Vergesellschaftung.
Der Antisemitismus identifziert unter diesen Bedingungen Juden und Jüdinnen mit der Zirkulationssphäre. Dabei wird der Kapitalismus zerlegt in eine gute, produktive Komponente und eine schlechte, überflüssige bzw. parasitäre Sphäre des Geldes – die Zirkulationssphäre.
Erst die Projektion dieses Verhältnisses auf Jüdinnen und Juden ist eine antisemitische Handlung. Die vorbereitenden Schritte – das Denken in Gemeinschaften und Verschwörungstheorien – sind noch kein Antisemitismus, jedoch prägende Moment für eine antisemitische Persönlichkeitstruktur.
Wird Kritik am Kapitalismus auf einzelne seiner Elemente – wie das Geld – verkürzt, nicht als gesellschaftliches Verhältnis begriffen, so handelt auch noch nicht um Antisemitismus, allerdings fehlt nur eine kurze Assoziation, um tief in der Gesellschaft verankerte antijudaistische Bilder – klassische Momente sind Hostienschändung, Brunnervergiftung und Kindstötung – aufzurufen. Wird die Assoziation allerdings nicht mitgeliefert, spricht man von strukturellem Antisemitismus. Identitärer Antisemitismus – also Menschen, die ihr antijudaistisches Vokabular permanent verwenden – ist selten und unangenehm, aber gesellschaftlich nicht sonderlich relevant. Das Problem des Antisemitismus ist eine bestimmte Herangehensweise an gesellschaftliche Probleme, die massenhaft auftritt und in modernen Gesellschaften tief verankert ist. Für eine gesellschaftliche Linke ist dies umso ärgerlicher, da Menschen – statt gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern – sich an Sündenböcken abarbeiten. Die Linke seit dem 19. Jahrhundert hat das Ausmaß und Bedeutung des Antisemitismus massiv unterschätzt und verharmlost sie bis heute. Neben antisemitistischen Äußerungen von Frühsozialisten ist inbesondere August Bebels Charakterisierung des Antisemitismus als ,Sozialismus der Dummen Kerle’ zu nennen. Auch heute noch werden im bebelschen Sinne antisemitische Äußerungen als schwache und entwicklungsfähige Formen des Antikapitalismus angesehen. Zugrunde liegt ein schwaches bis nicht vorhandenes Verständnis der kapitalistischen Vergesellschaftung der Welt und damit der Moderne.
Eine Beschäftigung mit Antisemitismus ist anspruchsvoll, da zumindest das Verhältnis zwischen Nationalstaat und Rassismus, Religionsgeschichte und Kapitalismus verstanden sein muss. Antisemitismus wird aktuell nur graduell bekämpfbar sein, das zeigen auch die Studien aus dem gewerkschaftlichen Umfeld.

Obwohl es sich um ein strukturelles Massenphänomen handelt, dürfen antisemitistische Äußerungen im politischen Umfeld nicht geduldet werden, da sie Präzedenzfälle schaffen.
Gerade eine Linke, die versucht, die Gesellschaft im Kern zu ändern, muss darauf im Einzelfall scharf reagieren. Tief verankerte antisemitische Handlungsmuster sind nicht wegdiskutierbar und nicht tolerierbar, übrigens nicht nur in der Linken.

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