“Ich war, ich bin, ich werde sein.”
Jahre lang war es ruhig im Reich der Mitte: Hin und wieder hörte man von verschwundenen MenschenrechtsaktivistInnen, von einstürzenden Mienen und verschütteten ArbeiterInnen, hier and da sprachen sich Uiguren, Tibeter und andere Minoritäten gegen die Chinesische Regierung aus, doch alles in allem blieb es ruhig.
China, das waren erster Linie ein lukrativer Ort für den Kapitalexport: Chinesische ArbeiterInnen arbeiteten für einen Bruchteil des Lohns ihrer europäischen und amerikanischen KonkurrentInnen und schufen damit eine mehr oder minder solide Basis f\u00fcr das chinesische Wirtschaftswunder.
Doch seit dem Jahr 2008 haben Selbstmorde und Streiks das verbreitete Bild vom billigen, fügsamen und fleißigen Chinesen getrübt. Ferner haben neue Arbeitsgesetze den Arm der chinesischen ArbeiternehmerInnenschaft gestärkt: Arbeitsgerichte haben im besagten Jahr mehr als
280 000 Fälle behandelt. (Quelle : Outlook Weekly) Seitdem zitteren Kapitalanleger. Zu Unrecht.
Nach einer Diskussion des historischen Kompromisses geht es nun um diejenigen europäischen kommunistischen Parteien, die sich vom sowjetischen Weg zugunsten polyzentrischer Ansätze trennten.
Am Donnertag sollen u.a. die Reaktion der Sowjetunion, der Volksrepublik China, der übrigen europäischen KPen, anderer linker Gruppen sowie der Sozialdemokratie beleuchtet werden.
Am Schluss wird es um die Frage gehen, was vom Eurokommunismus eigentlich noch übrig ist.
Einige Ältere erinnern sich vielleicht noch an den Mord an Aldo Moro 1978 durch die roten Brigaden. Doch warum wurde er eigentlich entführt und anschließend ermordert?
In Anschluss an die Staatsableitungsdebatte des letzten Seminarwochenendes soll thematisiert werden, welches Politikmodell der Historische Kompromiss eigentlich vertrat, warum dieser als so gefährlich angesehen wurde, dass die NATO-Geheimarmee Gladio die Verhinderung einer Regierungsbeteiligung der KPI sogar durch Terroranschläge auf ihre Agenda setzte.
Auch auf die heutige Zeit bezogen sind diese Diskussionen wesentlich. Im historischen Kompromiss begann die Diskussion um eine Transformation des kapitalistischen Blockes. Hierbei handelt es sich um Kategorien des italienischen Marxisten Antonio Gramsci, die die KPI prägten. Heute wird Transformation als neues Paradigma statt Reform und Revolution verwendet. Doch was heißt dies, wie soll der Kapitalismus überwunden werden? Bzw. ging es überhaupt hierum?
Die Tätigkeit von Gladio in dieser Zeit eröffnet auch die überfällige Debatte über die NATO. Im kalten Krieg handelte es sich zumindestens formal noch um eine Verteidigungsarmee. Der zumindestens rechtliche Umbau in eine Interventionsarmee ist mittlerweile abgeschlossen, mittlerweile rückt die Aufstandsbekämpfung in den militärischen Fokus. Welche Konsequenzen können wir aus der Existenz von Gladio und ihrer Kommandostruktur ziehen?
2008 erschütterte eine Krise die Finanzmärkte. Wieder einmal entbrannte die Diskussion um Wirtschaft und Politik, Krisen und Kapitalismus. Die Systemfrage wird neu gestellt und Linke tun sich mit nationalistischen Ansätzen schwer, während PostoperaistInnen den Kapitalismus für ontologisch halten und ZusammenbruchstheoretikerInnen ihm sein unfreiwilliges Ende voraussagen. Dabei arbeiten die meisten mit Begriffen wie Wert, Ware und Profit, die häufig ungeklärt im Raum stehen bleiben oder einfach vorausgesetzt werden.
Wir beginnen mit Buch II des Kapitals, das Friedrich Engels nach dem Tod von Karl Marx im Jahr 1883 aus dessen Manuskripten zusammenstellte:
Der Zirkulationsprozess des Kapitals erschien 1885. Die Kapitel 1 – 9 handeln von den Metamorphosen und dem Umschlag des Kapitals sowie den drei Figuren des Kreislaufprozesses. Die Zyklen der zusammenhängende Umschläge bilden die materiellen Grundlagen der periodischen Krisen, welche wiederum die Ausgangspunkte großer Neuanlagen sind. Es geht um Kosten und Weltmarkt, Kapital und Krise und wie immer darum, die Analyse von Marx nachzuvollziehen.